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Fraunhofer Venture

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Fraunhofer Venture im Gespräch

Interview: Mehr Geld für deutsche Gründer?! – Ein Gespräch mit Thomas Doppelberger, Leiter von Fraunhofer Venture

Herr Doppelberger, wie würden Sie die derzeitige Lage für High-Tech-Unternehmen in der Gründungsphase beschreiben?

Die Lage ist schwieriger geworden. Die gesamte Finanzierungslandschaft hat sich stark verändert. In Deutschland muss man von einem Dammbruch sprechen. Laut BVK (Bundesverband Deutscher Kapitalgesellschaften) sind deutsche Venture Capital-Investitionen im Jahr 2009 um 70% zurückgegangen. Der Finanzierungsrückgang ist somit deutlich dramatischer als in den USA, wo das VC-Volumen vergangenes Jahr nur um etwa 1/3 zurückging.

Wen trifft dieser Finanzierungsrückgang besonders?

Besonders hart trifft es deutsche Unternehmen aus dem High-Tech und Cleantech-Bereich, die sich in der Frühphase befinden und Kapital benötigen. Das gesamte Seed-Investment der deutschen VC-Geber betrug 2009 gerade einmal 8 Millionen Euro. Die privatwirtschaftliche Finanzierung von High-Tech-Unternehmens-Neugründungen ist nahezu zum Erliegen gekommen. High-Tech hat derzeit kaum Chancen auf Venture Capital, da es schlicht nicht mehr vorhanden ist. Dabei ist der High-Tech- und Cleantech-Bereich kapitalintensiv und somit besonders abhängig von Drittmitteln.
 
Worauf führen Sie diese Entwicklungen zurück?

Laut BVK sind die knappen Mittel der VC-Geber direkt auf die Finanz- und Wirtschaftskrise zurückzuführen. Den Fonds gelang und gelingt es kaum noch, Investoren für ihre Arbeit zu finden. Doch auch in den Jahren zuvor scheuten sowohl deutsche als auch internationale Geldgeber eine Investition in deutsche Start-ups, insbesondere in der Frühphase. Dies lässt sich dadurch erklären, dass Seed-Finanzierungen mit besonders hohen Risiken verbunden sind und sich unterm Strich als wenig rentabel erweisen.

Weshalb entscheiden sich so wenige Investoren für den Standort Deutschland?

In Deutschland finden Investoren eine deutlich kleinere Auswahl an potenziellen Projekten vor, wenn man etwa den Vergleich mit dem Silicon Valley in den USA zieht. Somit entscheiden sich die Geldgeber im Zweifelsfall gegen ein Frühphasen-Projekt hierzulande und investieren lieber global in zukunftsträchtige Unternehmenskonzepte.

Was muss sich ändern, damit der Standort Deutschland attraktiver wird?

Nach wie vor gibt es zu wenig Akademiker, die basierend auf ihren Forschungsergebnissen und Erfindungen ein Unternehmen gründen. Nach abgeschlossener Projektphase veralten viele Patente im Archiv oder ihr Potenzial wird im Ausland verwertet. Hier müsste ein Wandel stattfinden. Natürlich sollte der Fokus stets ganz klar auf der wirtschaftlichen Verwertung des jeweiligen Projektes liegen. Nur wenn eine Umsetzung realistisch erscheint, sollten weitere Fördermittel ausbezahlt werden. So wäre es auch möglich, den Ausgründungsgedanken bereits in der Forschungsphase zu implementieren und zudem längerfristig die deutsche Gründermentalität zu verändern.

Wie schätzen Sie die Rolle der öffentlichen Geldgeber ein?

In Folge der VC-Knappheit spielen für Gründer in der Seed-Phase natürlich öffentliche Geldgeber, wie etwa der High-Tech Gründerfonds, die entscheidende Rolle. Doch die Finanzspritzen je Gründung sind begrenzt. Gleichzeitig sind für viele Projekte die Anforderungen sehr hoch. Neben Eigenmitteln wird z.B. im Bewerbungsverfahren bereits ein kompletter Business-Plan inklusive Exit-Strategie gefordert. Diese können viele Gründer jedoch oft noch nicht darstellen.

Wo gibt es Ihrer Meinung nach Lösungsansätze?

Der Zugang zu den öffentlichen Geldern sollte vereinfacht werden. Denkbar wäre beispielsweise die Schaffung eines Experten-Gremiums, das rasch und unbürokratisch staatliche Mittel zur Verfügung stellt. Die Fraunhofer-Gesellschaft hat auf dieses Bedürfnis bereits im Rahmen ihrer Möglichkeiten reagiert. Bereits seit einigen Jahren unterhält sie erfolgreich das Programm »Fraunhofer fördert Existenzgründungen (FFE) «, das ausgründungswilligen Fraunhofer-Wissenschaftlern eine erste unkomplizierte Finanzierung für die Weiterentwicklung des Gründungsprojektes zur Verfügung stellt.

Wie würden Sie die Rolle von Fraunhofer Venture beschreiben?

Fraunhofer Venture versucht, gründungswillige Wissenschaftler zu motivieren und begleitet sie auf ihrem Weg in die Selbstständigkeit. Vielversprechende Projekte werden durch Investitionen unterstützt. Insgesamt sind wir bemüht, einen Mentalitätswandel herbeizuführen. Noch deutlich mehr junge Akademiker sollen den Schritt in die Selbstständigkeit wagen wollen – und wagen können.

 

Spin-off im Profil

Die SmartMembranes GmbH

In vielen Bereichen sind die Ansprüche an Hygiene und Reinheit gestiegen und somit neue Methoden erforderlich geworden. Ein zukunftsweisendes Verfahren ist die Membrantechnik. Ein Unternehmen, das sich auf diese Technologie spezialisiert hat, ist die SmartMembranes GmbH. Deren ultra- und nanoporöse Membrane eignen sich zur Filtration von Wasser, Luft, Gas und weiteren Stoffen. Anwendungsgebiete finden sich unter anderem im Umweltschutz, in der Raum- und Atemluftüberwachung sowie in der Arbeitsmedizin. 2009 als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Werkstoffmechanik IWM ausgegründet, hat das Unternehmen seinen Sitz im Technologiepark weinberg campus in Halle.

Geburtsstunde der SmartMembranes GmbH war 2007 der Sieg des Teams bei der Nano-Entrepreneurship-Academy (NEnA), einem Ideenwettbewerb, der ausschließlich Wissenschaftlerinnen aus dem Bereich der Nanotechnologie prämiert. Unterstützt durch das FFE-Programm (Fraunhofer fördert Existenzgründungen) von Fraunhofer Venture, konnte innerhalb eines Jahres ein Businessplan aufgestellt und ein ausführliches Geschäftskonzept entworfen werden.

Am Ursprung der Technologie der SmartMembranes GmbH stand die Idee, eine Membran mit Poren hervorzubringen, durch die gerade einmal Teilchen von wenigen Nanometern Größe passen. Dieses Vorhaben wurde realisiert, indem SmartMembranes eine hochgeordnete Struktur entwickelte, die der einer Bienenwabe gleicht. Hierfür werden Materialien wie Silizium und Aluminiumoxid verwendet. Ein Beispiel für Teilchen mit einer Größe von nur wenigen Nanometern sind Viren, die einen Durchmesser von rund 0,025 bis 0,1 Mikrometer aufweisen. Bei herkömmlichen Filtrationsvorgängen, wie beispielsweise der Mikrofiltration, die eine Porengröße von größer als 0,1 Mikrometer verwendet, werden Viren nicht erfasst. Eine Unterschreitung dieses Werts und somit eine Erfassung der Krankheitserreger wird durch eine Filtration mit Membranen der SmartMembranes GmbH ermöglicht. Mit einer Porengröße von unter 0,1 Mikrometer ist diese Art der Filterung dem Bereich der Nanotechnologie zuzurechnen. Im Vergleich zu herkömmlichen Filtern ist es aber nicht nur die äußerst geringe Porengröße, die die Membrantechnik der SmartMembranes GmbH auszeichnet, sondern auch die Möglichkeit, die Poren im Nanometerbereich variabel und präzise genau einstellen zu können. Porengröße, Membrandicke, Gitterkonstante und Porosität der Membrane können individuell festgelegt werden. Vor diesem Hintergrund sind der Verwendung der Technologie der SmartMembranes GmbH im industriellen Bereich fast keine Grenzen gesetzt.

 

Aktuelles

Munich Network: 3. Cleantech-Konferenz am 24. Juni 2010

Unter dem Fokus »Energie Effizienz« findet am Donnerstag, 24. Juni 2010 von 9:00 – 18:00 Uhr die dritte Münchener Cleantech-Konferenz im Konferenzzentrum München, Lazarettstraße 33, statt. Dort besteht für ambitionierte Start-ups, die auf der Suche nach Kapital oder Kooperationen sind, die Gelegenheit sich zu präsentieren. Um sich auf einen 6-Minuten-Pitch zu bewerben, müssen sich Start-ups bis spätestens 10. Juni anmelden.

Die Konferenz richtet sich sowohl an Cleantech-Unternehmer, -Investoren, -Wissenschaftler und –Interessierte als auch an Start-ups, die nach Kontaktmöglichkeiten suchen. Zusätzlich werden Vertreter von namhaften Unternehmen anwesend sein, wie beispielsweise Tilmann E. Kuhn / Head of Group Solar Facades vom Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme ISE. 
 
Das Thema „Energie Effizienz“ gewinnt immer mehr an Bedeutung, da weltweit die Nachfrage nach effizienterer Energieerzeugung, -speicherung, -leitung und auch nach effizienterem Energieverbrauch steigt. In all diesen Bereichen steckt großes Potenzial für Innovationen, neue Produkte und Dienstleistungen.

bwcon: »High-Tech Gründerfonds Sprechtag« am 21. Juli 2010

Investmentmanager des High-Tech Gründerfonds (HTGF) stehen Gründern und Projektteams aus Forschungseinrichtungen für persönliche Beratungsgespräche zur Verfügung, bewerten Geschäftsmodelle und zeigen Unterstützungsmöglichkeiten auf. Um mit Vertretern des High-Tech Gründerfonds ins Gespräch zu kommen, bieten bwcon und MFG Baden-Württemberg in Zusammenarbeit mit regionalen Partnern regelmäßig einen HTGF-Sprechtag an.

Am Mittwoch, 21. Juli 2010 in Mannheim stehen Vertreter des HTGF wieder jeweils für ein einstündiges Beratungsgespräch zur Verfügung und prüfen Gründungsprojekte auf ihre Eignung für eine Finanzierung durch den HTGF. Eingeladen sind sowohl Gründerteams, die konkret nach einer Seedfinanzierung suchen als auch Gründungs- und Forscherteams, die sich in der Vor-Gründungsphase befinden. Sie sollen für die Finanzierungsalternative High-Tech Gründerfonds sensibilisiert werden.

Optional können die Gründer einen weiteren Sprechstundentermin mit Mentoren der bwcon: Coaching Group in Anspruch nehmen. Hier kann die Geschäftsidee mit einem erfahrenen Unternehmer bzw. Manager diskutiert werden, es können alternative Finanzierungsmöglichkeiten aufgezeigt und die Möglichkeiten eines begleitenden Coachings besprochen werden.

Anmeldeschluss ist der 3. Juli 2010. Die Teilnahme ist kostenlos.

venture forum neckar e.V.: Forum »Unternehmerische Beteiligungen« am 24. Juni 2010

Beteiligungskapital von Dritten ist in der Gründungsphase von jungen, technologieorientierten Unternehmen meist die einzige Möglichkeit die Startphase zu realisieren. Dabei nimmt die
Finanzierung über Business Angel und andere unternehmerische Beteiligungen immer mehr an Bedeutung zu. 10-14 innovative Unternehmen aus verschiedenen technologieorientierten Branchen aus ganz Deutschland werden am 24. Juni 2010 ab 13:00 Uhr bei der Bechtle AG in Neckarsulm ihr Unternehmen in Kurzpräsentationen von ca. 10 Minuten vorstellen.

Außerdem sind interessante Referenten eingeladen. Als Key-Note Speaker wird Prof. Dr. Lothar Späth, der bereits zahlreiche Start-ups und aufstrebende Unternehmen in der HighTech- und Medienindustrie im Vorstand und Aufsichtsrat beraten hat, referieren. Teilnehmer erfahren wie der
Weg zu solchen Beteiligungen aussehen kann.

Einsendeschluss der  Kurzpräsentationen bis zum 15. Juni 2010.
Anmeldeschluss für Besucher bis zum 17. Juni 2010.

EXIST III: Unterstützung außeruniversitärer Forschungseinrichtungen zur Förderung des Aufbaus eines gründerfreundlichen Klimas

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie hat mit EXIST III eine Initiative ins Leben gerufen, die außeruniversitäre Forschungseinrichtungen beim Aufbau eines gründerfreundlichen Klimas und der Förderung konkreter Gründungsvorhaben unterstützen soll.

Bisher spielten außeruniversitäre Forschungseinrichtungen im Vergleich zu Hochschulen für das Spin-off-Gründungsgeschehen eine eher geringe Rolle. Nur etwa fünf Prozent der Spin-off-Gründungen stammen aus außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Um hier eine Trendwende einzuleiten, bietet EXIST III auch außeruniversitären Forschungseinrichtungen die Möglichkeit, im Verbund mit einer Hochschule einen nicht-rückzahlbaren Zuschuss zu beantragen.

EXIST arbeitet eng mit den vier großen deutschen Forschungsorganisationen zusammen: der Fraunhofer-Gesellschaft, der Helmholtz-Gesellschaft, der Leibniz-Gemeinschaft und der Max-Planck-Innovation. Sie unterstützen Interessenten bei der Beantragung der EXIST-Förderung. Verantwortliche Ansprechpartner sind Thomas Doppelberger (Fraunhofer-Gesellschaft), Dr. Jens Fahrenberg (Helmholtz-Gesellschaft), Jörg Strompen (Leibniz-Gemeinschaft) und Florian Kirschenhofer (Max-Planck-Innovation).

 

Seminare und Workshops

Netzwerk Nordbayern: Seminar »Grundlagen der Unternehmensfinanzierung« am 15. Juni 2010 in Nürnberg

Netzwerk Nordbayern

Das Seminar »Grundlagen der Unternehmensfinanzierung« des Netzwerks Nordbayern gibt am Dienstag, 15. Juni 2010 von 14:00 – 18:00 Uhr einen Überblick über bestehende Möglichkeiten der Unternehmensfinanzierung. Unternehmen, die kurz vor einer Gründung oder Erweiterung stehen, erhalten Hilfestellungen, welche Finanzierungen für ihre Belange jeweils in Frage kommen und sinnvoll sind. Experten aus verschiedenen Bereichen, wie etwa Vertreter von Fördereinrichtungen, Banken oder Risikokapitalgesellschaften, halten Vorträge und vermitteln grundlegende Informationen und Tipps aus erster Hand.

Anmeldeschluss ist der 8. Juni 2010. Die Teilnahme ist kostenlos.

Netzwerk Nordbayern: Seminar »Innovative Geschäftsmodelle erkennen, entwickeln und umsetzen« am 05. Juli 2010 in Nürnberg

Netzwerk Nordbayern

Die Entwicklung des eigenen Geschäftsmodells wird bei Unternehmensgründern, aber auch bei mittelständischen Unternehmen, oftmals intuitiv aus der Leistung des Unternehmens und nicht konzeptionell angegangen. Nicht zuletzt deswegen scheitern Unternehmer mit ihren Ideen, weil mittelfristig die Basis für deren Geschäftstätigkeit fehlt.

Dr. Alexander Brem, Geschäftsführer, und Nico Kreusel, Berater der VEND consulting GmbH, verfügen über große Erfahrung aus unterschiedlichen Beratungsprojekten. Als Referenten des Netzwerk Nordbayerns teilen sie ihr Know-how und unterstützen bei der Entwicklung eines Geschäftsmodells. Das Seminar findet am Montag, dem 5. Juli 2010 in Nürnberg statt. In praxisnahen Übungen werden Fragen zu Geschäftsmodellen und Businessplänen erschlossen:

Anmeldeschluss ist am 28. Juni 2010.