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Fraunhofer Venture
Fraunhofer fördert Management (FFM): Eine echte Chance für Fraunhofer-Mitarbeiter und externe Manager
Dr. Peter Haug, Geschäftsführer der Greasoline GmbH, ein Spin-off des Fraunhofer UMSICHT in Oberhausen, berichtet, wie er Geschäftsführer von Greasoline wurde.
Wissenschaftler forschen seit Jahren an der Gewinnung von Kraftstoff ohne den Einsatz fossiler Brennstoffe. Im Fokus standen dabei bisher ökologische Rohstoffe, die keine aufwändigen Aufbereitungsprozesse verlangen und zudem in großen Mengen zur Verfügung stehen. Forschern des Bereiches BIOFUELS am Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT haben ein Verfahren entwickelt, das die Herstellung hochwertiger Biokraftstoffe aus Altfetten und Öl-Rückständen erlaubt. Die Vorteile dieses Prozesses: Die verwendeten Grundstoffe stehen in keinerlei Konkurrenz zur Nahrungsmittelversorgung und sind in großen Mengen und kurzfristig verfügbar – und das bei reduzierter CO2-Emission. Im August 2011 gründeten die Wissenschaftler mit Unterstützung von Fraunhofer Venture die Greasoline GmbH zur Vermarktung dieser patentierten Technologie.
Herr Dr. Haug, erläutern Sie bitte kurz die Innovation der Greasoline GmbH. Ist die Herstellung von Biokraftstoffen aus Altfetten eine echte Alternative für die Zukunft?
Ja, sicherlich. Die Herstellung von Biokraftstoffen aus Reststoffen und nachwachsenden Rohstoffen, stellt eine echte Alternative für die Zukunft dar. Bestehende Biokraftstoffe, wie Bioethanol oder Biodiesel, stehen dagegen in direktem Konflikt zur Nahrungsmittelindustrie. Zudem erfüllt unser Biokraftstoff höhere Qualitätsansprüche, da gleiche Materialeigenschaften wie bei fossilen Kraftstoffen vorherrschen. Ein weiterer Vorteil besteht darin, dass wir unseren Biokraftstoff auch ohne Subventionierung zu gleichen Preisen wie herkömmliche Kraftstoffe anbieten können.
Wie kam der Kontakt zu diesem Ausgründungsvorhaben zustande?
Unterstützt wurde die Ausgründung vor allem durch den „Founding-Angel“ Gunter Festel, der das Technikerteam in Oberhausen bereits drei Jahre lang begleitete und eine große Hilfe bei der Ausarbeitung des Businessplanes war. Die Umsetzung der Idee der Greasoline GmbH erfolgte dann durch Herrn Festel und mich, als externe Mitarbeiter und vier internen technischen Fraunhofer-Mitarbeitern.
Was sind in Ihren Augen die Vorteile, als externer Geschäftsführer ein Start-up aufzubauen?
Externe Mitarbeiter kommen oftmals aus der betriebswirtschaftlichen Richtung, was sich mit dem Know-how der Wissenschaftler bestens ergänzt. Mein naturwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Hintergrund waren natürlich auch bei der Gründung der Greasoline GmbH von Vorteil. Die Innovationen marktfähig zu machen und die Idee, die an einer Universität oder Forschungseinrichtung entstehen, in die Realität umzusetzen, ist oberstes Ziel. Das ist oftmals nicht ganz einfach. In unserem Team ergänzen sich die Qualifikationen und Hintergründe aus Technik und Kommerzialisierung jedoch sehr gut, wodurch wir die Lücke zwischen Theorie und Praxis überbrücken können.
Wie sieht derzeit Ihre Tätigkeit bei Greasoline aus?
Aktuell sind wir dabei, Investoren für die erste Finanzierungsrunde zu suchen. Im Weiteren wollen wir die Geschäftsentwicklung weiter zur Mineralölindustrie stärken und ausbauen sowie zukünftige Kooperationspartner finden.
Wie setzt sich Ihr Team zusammen und welche Positionen müssen mittelfristig noch besetzt werden?
Zu unserem Team gehören vier technische Gründer, die jedoch hauptsächlich für Fraunhofer arbeiten und durch gemeinsame Projekte finanziert werden. Ziel ist es die Greasoline GmbH nicht nur extern zu finanzieren, sondern auch technisches Know-how von Fraunhofer mit einzubringen. Was die Besetzung zukünftiger Positionen angeht, sollen nach Abschluss der ersten Finanzierungsrunde in Zukunft weitere Stellen im Bereich der Geschäftsentwicklung, Rohstoffsourcing und im technischen Projektmanagement besetzt werden.
Welchen beruflichen Hintergrund hatten Sie vor Ihrer Geschäftsführertätigkeit bei der Greasoline GmbH?
Ich habe ein natur- und betriebswissenschaftliches Studium absolviert und danach sieben Jahre lang in Managementberatungen, vorwiegend im Chemiebereich, gearbeitet. Vor meiner Arbeit bei der Greasoline GmbH habe ich fünf Jahre als Investmentverantwortliche in einer Industrie-Holding den Bereich Pharmalohnherstellung aufgebaut. Schön ist es jedoch, auch an den Ergebnissen seiner Arbeit beteiligt zu sein, was hier über Gesellschaftsanteile möglich ist und mich letztlich zur Geschäftsführertätigkeit bei der Greasoline GmbH gebracht hat.
Wie schätzen Sie die Unterstützung durch FFM ein?
Durch die Unterstützung von FFM konnte die Greasoline GmbH fast ein Jahr früher als geplant mit ihrer operativen Tätigkeit beginnen, sogar noch vor Abschluss der ersten Finanzierungsrunde. Der Aufwand, im derzeitigen Umfeld passende Investoren zu finden ist sehr umfangreich. Das FFM Programm war dabei sehr hilfreich. Der Kontakt zu Investoren wurde durch Fraunhofer-Mitarbeiter und Fraunhofer Venture unterstützt.
Ein neues Unternehmen aufzubauen ist eine große Herausforderung. Inwieweit unterstützt Sie Fraunhofer Venture?
Fraunhofer Venture stellte vor allem bei den Gründungsverträgen eine große Hilfe dar. Auch der rechtliche Beistand bei Verhandlungen mit der Fraunhofer-Patentstelle, als auch die Unterstützung bei der Suche nach Investoren hat dem Unternehmen sehr weitergeholfen. Im Detail erfolgt diese Unterstützung durch Betreuung und wöchentlichen Kontakt zu Matthias Keckl.
Was sind Ihre Unternehmensziele für 2012?
Kurzfristig haben wir das Ziel den Lizenzvertrag mit Fraunhofer abzuschließen, an dem wir schon seit neun Monaten arbeiten. Im Weiteren wollen wir eine erste Finanzierungsrunde für die nächsten zwei bis drei Jahre finden. Außerdem sind wir auf der Suche nach einem geeigneten Kooperationspartner, der für unsere Technologie nach weiteren geeigneten Möglichkeiten in der industriellen Anwendung sucht. Finanziert werden soll dieser Schritt entweder über Förderprogramme oder durch Erlöse aus Verkauf von Anteilen der Greasoline GmbH an den jeweiligen Kooperationspartner.
Herr Dr. Haug, vielen Dank für das Interview.


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