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Fraunhofer Venture
Life-Science-Forschung erfolgreich am Markt etablieren
Going Public: Juli 2009
Fraunhofer ermöglicht spannende Firmenausgründungen aus den knapp 60-Fraunhofer-Instituten. An die 15.000 Mitarbeiter haben theoretisch die Chance, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Die Abteilung Fraunhofer Venture unterstützt dabei die Fraunhofer-Wissenschaftler. Ein besonders spannendes Ausgründungsfeld ist dabei der Life-Science-Bereich.
Der Oberbegriff Life-Science passt auf die Arbeit gleich mehrerer Fraunhofer-Institute. Viele Forschergruppen stellen sich den Herausforderungen an den Schnittstellen der Biowissenschaften; neben der Grundlagenforschung finden so viele anwendungs- und marktorientierte Forschungsansätze ihren Platz. Das besondere Konstrukt, das allen Fraunhofer-Instituten zugrunde liegt (interdisziplinäre Zusammenarbeit, auch und besonders mit Partnern aus der Industrie) fördert die Fokussierung auf aktuelle Problemstellungen für Mensch und Gesellschaft.
Spannende Chancen für Fraunhofer-Mitarbeiter
Fraunhofer-Institute sind so strukturiert, dass relevante Erfindungen aus der Forschung in die Praxis überführt werden. In vielen Fällen werden Entwicklungen dabei direkt mit Unternehmen umgesetzt. Allerdings kommt es auch immer häufiger vor, dass die Fraunhofer-Forscher schrittweise das Institut verlassen und eine eigene Firma gründen. In den vergangenen Jahren haben bereits zahlreiche Wissenschaftler den Schritt in die Selbständigkeit gewagt und sind dabei von verschiedenen Seiten unterstützt worden. Allen voran eine Abteilung, die sich für Firmengründungen aus Fraunhofer-Instituten stark macht: Fraunhofer Venture ist eine der erfolgreichsten nicht-kommerziellen Einrichtungen bei der Förderung von sogenannten Spin-offs, aktuell werden rund 150 Ausgründungen betreut, darunter auch zahlreiche Life-Science-Unternehmen.
„Auch im Life-Science-Bereich können wir unsere Stärken als Venture-Partner gut ausspielen“, so Thomas Doppelberger, der Leiter der Abteilung, „denn Gründungen in diesem Bereich benötigen hochqualitative Betreuung“. Das Timing für die Umsetzung einer Erfindung in eine erfolgreich am Markt agierende Firma sei wesentlich entscheidend. Das hochspezialisierte Wissen der Forscher benötigt die richtigen organisatorischen und finanziellen Strukturen. Der rasche Zugang zu Risiko-Kapital, genaue Kenntnis der Strukturen am Markt und vorhandene Expertise für Gründungen im Life-Science-Bereich sind daher essentiell.
Drei Unternehmensideen, die in ihrer Gründungsphase von Fraunhofer Venture betreut wurden und bis heute zum Portfolio gehören, sollen im folgenden kurz vorgestellt werden, um einen aktuellen Blick in die „Venture-Kiste“ zu erlauben.
Spezielle Proteine für Forschung im Gesundheits- und Pharmabereich
Bereits erfolgreich im Markt angekommen ist die PharmedArtis GmbH, 2004 in Aachen aus dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME hervorgegangen. Die vier Wissenschaftler, die das Unternehmen gegründet haben, gelten als Spezialisten für rekombinante Proteine, also Eiweiße, die mit Hilfe von gentechnisch veränderten Mikroorganismen hergestellt und für die Herstellung von pharmazeutischen Proteinen, etwa Insulin oder Antikörper, verwendet werden. Das Unternehmen verfolgt ein duales Geschäftsmodell: Auf der einen Seite ist man Serviceanbieter und bietet alles vom Gen zum Protein. Für Dritte werden Machbarkeitsstudien, Stammesentwicklung bis hin zu gesamten Prozessentwicklungen und die Produktion von pharmazeutischen Proteinen nach dem Pharmastandard GMP durchgeführt. Auf der anderen Seite entwickelt das Unternehmen auf der Basis von vier Patentfamilien neuartige Immuntherapeutika zur Behandlung von Krebs, Entzündungen und Autoimmun-Erkrankungen.
Mikroalgen – wertvolle Bestandteile und die Möglichkeit der Energieerzeugung
Auch bereits am Markt tätig, aber noch stärker in der Entwicklungs- und damit Investitionsphase ist die Subitec GmbH, die als Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik IGB gegründet wurde. Vorausgegangen waren viele Jahre der Forschung zum Thema Mikroalgen. 2007 wurde das operative Geschäft aufgenommen und erste Investoren geworben. Die Kernidee ist der patentierte „Flat-Panel-Airlift-Photobioreaktor“, in dem sich „designbare“ Algenbiomasse unter Nutzung von Sonnenenergie in industriellem Maßstab kultivieren lässt. Aus diesen Mikroalgen werden eine Vielzahl wertvoller Inhaltsstoffe wie beispielsweise Fettsäuren, Proteine, Vitamine und Farbstoffe gewonnen. Subitec kann die Wertstoffe deutlich günstiger, aber qualitativ hochwertig anbieten und adressiert aktuell die Branchen Kosmetik und Nahrungsergänzungsmittel. Hier handelt es sich um hochdynamische Wachstumsmärkte. Ein zweites Standbein ist gerade am Entstehen: Aus Algenmasse kann auch Strom erzeugt werden. Subitec kooperiert mit großen Energieunternehmen und ist führend bei der Entwicklung der komplexen Technologie, die benötigt wird, um aus Algen in einem geschlossenen System Energie zu erzeugen.
Noch existiert der Sieg über die Kartoffelfäule nur auf dem Papier
Jüngster Spross bei Fraunhofer Venture ist AgroProtect, ein zukünftiges Spin-off der grünen Gentechnik. Die im Herbst 2009 zu gründende AgroProtect verfügt über eine Technologie, die Nutzpflanzen, wie etwa Kartoffeln, unempfindlich gegen Pilze und Bakterien macht. Denn Schaderreger verursachen in der Landwirtschaftweltweit jährlich Verluste von mehreren Milliarden Euro. Mit der neuen Technologie werden die Pflanzen dazu gebracht, selber Pilzgifte zu entwickeln, die natürlich für den Menschen unschädlich sind. In der Folge sind sie zu 100% resistent gegen den Schadenserreger. Die grundlegende Technologie stammt aus dem Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Ökologie IME. Als erstes will die junge Firma eine gentechnisch optimierte Kartoffel zur Marktreife entwickeln, die unempfindlich gegen die Kraut- und Knollenfäule ist. Diese Pflanzenkrankheit verursacht jährlich Schäden in Höhe von ca. 8 Mrd. Euro und löste einst die große irische Hungersnot aus.
Womit beschäftigt sich der zukünftige Firmengründer, Dr. Dieter Peschen, im Moment? „Die Hauptschwierigkeit ist, den Markt vorzubereiten, dass er das akzeptiert“, erklärt er. Und das ist harte Arbeit. Geschäftspläne schreiben, mit Investoren, Saatgutfirmen und Lizenzgebern verhandeln – mit Molekularbiologie hat sein Alltag nicht mehr viel zu tun. Es gilt, den Finanzbedarf für die komplette Entwicklung und Zulassung in den Jahren 2011 bis 2016 zu organisieren, eine Gesamtsumme von ca. 10,8 Mio. Euro.
Drei von 150 Unternehmen, die Fraunhofer Venture begleitet oder begleitet hat und bei denen man zum Teil bis heute investiert ist. Die langfristige Perspektive der Partnerschaft ist wichtig. Erst wenn der Forschungsvorsprung in Markterfolg umgesetzt wurde, ist das Ziel erreicht. Über unterschiedliche Modelle fließen Patent- und Lizenzgebühren oder Buy-Out-Gelder an Fraunhofer Venture. Von dort gehen die Erlöse weiter an die Fraunhofer-Gesellschaft, die damit neue, spannende Forschungsansätze verfolgt. Während die neuen Unternehmen hochspezialisierte Arbeitsplätze schaffen.
(Matthias Keckl, kaufmännischer Referent bei Fraunhofer Venture)

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