Interview mit Philipp von der Wippel, Project Together

Forschung, Technologie und Startup-Denken: Die nächste Dimension von Nachhaltigkeit

12.9.2019

Nachhaltigkeit wird immer mehr vom Klimaschutz- zum Wirtschaftsfaktor. Die großen Herausforderungen auf dem Weg in die neue nachhaltige Wirtschaft lassen sich nur mit Spitzen-Technologie und Spitzenforschung bewältigen. Deshalb kooperieren ProjectTogether, die Impact Acceleration Plattform für junge Startup-Visionäre, und Fraunhofer Venture im Rahmen des Technologietransfer-Programms AHEAD (nächstes Bootcamp als Einstieg: 20. -23. Januar). Wir sprachen mit Philipp von der Wippel, Geschäftsführer von ProjectTogether, über den Weg in die nächste Dimension von Nachhaltigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung.

Philipp, Die Zeit drängt: Wir haben laut vereinten Nationen 10 Jahre zum Erreichen der 17 SDGs (Sustainable Development Goals). Wie kommen wir schnell von der Utopie zu realen Lösungen?

 

Wir müssen uns vor allem vom „Schwarz-Weiß-Denken“ verabschieden, und Ökonomie und Nachhaltigkeit in Zukunft als eine Systematik denken. Die großen Innovationen der Zukunft müssen nachhaltig sein und gleichzeitig zum Wohlstand unserer Gesellschaften beitragen. Die Vision von dem neu geschaffenen soulincubator und der Kampagne Act On Plastic ist die Entwicklung dieser neuen Systematik überall dort, wo Plastik nicht nachhaltig eingesetzt wird: Wir trainieren und fördern junge Visionäre systemische Lösungsansätze zu entwickeln, beispielsweise Modelle für komplett geschlossene Wertstoffkreisläufe; die 100% Recyclebarkeit von Plastik, oder die Ausfilterung der Milliarden Tonnen von Plastik in unserer Nahrungskette. Diese großen systemischen Lösungen lassen sich nur mit den fortschrittlichsten Technologien und Pionieren aus der Wissenschaft verwirklichen. Deshalb sind wir begeistert von der Möglichkeit, mit Fraunhofer und dem AHEAD-Programm zu kooperieren.

 

Wo siehst du die Rolle von Wissenschaft und Forschung bei dieser großen Transformation zum nachhaltigen Wirtschaften?

 

Wissenschaft ist zum einen der Navigator der Umgestaltung, weil hier Auswirkungen berechnet, Fristen oder kritische Schwellen markiert und Lösungsszenarien skizziert werden. Das ist für die Gesellschaft sehr wertvoll, aber für noch wichtiger halte ich die Rolle des Katalysators der nachhaltigen Umgestaltung: Nur mit einer aktiven, praxis- und problemorientierten Forschung kann die nächste Dimension von Nachhaltigkeit gelingen. Innovationen und neue Technologien sind der Treibstoff für diese Transformation und zwar in nahezu allen Disziplinen und Forschungsbereichen, von neuen Werkstoffen über Zero-Waste-Konzepte auf KI-Basis bis hin zu neuen Mobilitäts- oder Stadtkonzepten oder Produktionsverfahren. Die nachhaltige Transformation unserer Gesellschaft ist eine Herausforderung auf allen Ebenen – und das Potenzial für Forschung und für neue Impact-Unternehmen ist gigantisch.

 

Wie beurteilst du das wirtschaftliche Potenzial von Impact-Startups?

 

Die Impact-Startups von heute sind vor allem mutige Pioniere, die zeigen, dass es möglich, praktikabel und wirtschaftlich ist, sich von den Gewohnheiten und Dogmen zu verabschieden und völlig neue Wege zu beschreiten. Ein Startup wie Original Unverpackt von Milena Glimbovski beispielsweise hat das Konzept für den eigentlich unmöglichen Supermarkt entwickelt, der komplett auf Plastik-Verpackungen verzichtet und trotzdem alle Standards in Sachen Sauberkeit und Komfort erfüllt. Diesen Mut und diese Konsequenz brauchen wir auch für neue, technologiebasierte Konzepte.

 

In den kommenden Jahren werden wir die nächste Welle von Impact-Startups erleben, die Alternativen für die Kernbereiche unseres bisherigen Wirtschaftens entwickeln. Es ist absehbar, dass schonender Ressourcenverbrauch, Klimaschutz oder transparente Lieferketten zu neuen wirtschaftlichen Paradigmen werden und viele neue Lösungen verlangen, die von der nächsten Generation von Impact-Startups erdacht und erprobt werden.

Ihre Geschäftsmodelle machen die Welt nicht nur ein bisschen besser, sondern revolutionieren die Kernbereiche unserer Gesellschaft. Mit diesem Ausbruch aus der Nische skalieren sie nachhaltige Geschäftsmodelle und ökologische Effekte gleichermaßen, und werden auch für Investoren interessant. Impact wird bald zum Standard werden und Impact-Startups auch zu wirtschaftlich interessanten Unternehmen.

 

Was würdest du gerne auf dem AHEAD-Bootcamp mit Fraunhofer-Forschern und Entrepreneuren entwickeln?

 

Die spannendsten Modelle sind sicher die, die wir heute noch nicht absehen können,  und genau die verspreche ich mir von der Kooperation. Auf dem AHEAD-Bootcamp im Januar werden einige der Entrepreneure des soulincubators und Fraunhofer-Forscher mit technologie-basierten Impact-Konzepten erstmals intensiv zusammenarbeiten. Eben deshalb glaube ich, dass wir einige wirklich disruptive Ansätze erleben werden, die so noch nicht gedacht worden sind. Im Moment wissen viele Startups und Entrepreneure ja noch nicht einmal genau, wie Technologie ihre Konzepte beflügeln kann und welche Technologie sie weiterbringt. Aber sie bringen die Macher-Mentalität und das Startup-Know-How für neue Anwendungen und Technologieverwertung mit. Forschung und Gründergeist sollen sich durch die Kooperation von soulincubator und AHEAD gegenseitig inspirieren. Die Kombination dieser beiden Perspektiven kann wirklich zum Start-Momentum für die nächste Dimension von Nachhaltigkeit werden.

 

 

 

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