Geht doch! Forschung und Startup-Mentalität im Fraunhofer-inHaus-Zentrum

16.12.2019

Viel zu oft leben Forscher und Startup-Gründer in getrennten Welten: Hier die nach Perfektion und Wissen strebende Welt der Wissenschaftler und Labore, dort die Sphäre des agilen Experimentierens und produktorientierten Lernens nah am Kunden. Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum macht aus dieser Verschiedenheit eine Stärke: Mit dem besten aus beiden Welten soll eine dynamische Innovationskultur von der ersten Idee über die Technologieforschung bis hin zur einsatzfähigen Anwendung entstehen.

Entdecke die Möglichkeiten: Co-Innovation von Forschung und Startups

Das Fraunhofer-inHaus-Zentrum in Duisburg mutet auf den ersten Blick an wie eine Kombination aus futuristischer Laborlandschaft mit den Elementen einer Kreativagentur: Klassische Hightech-Infrastrukturen wechseln sich ab mit gemütlichen Sitzecken oder Möglichkeiten für den unkomplizierten Austausch bei einer Tasse Kaffee am Flip-Board. Diese Mischung aus wissenschaftlicher Hochtechnologie und Startup-Inkubator ist im inHaus nicht nur Interieur, sondern Programm: Das inHaus-Zentrum wurde im April 2001 ins Leben gerufen, um neue, effektivere Wege von der Hightech-Forschung in konkrete Anwendungen und Produkte zu entwickeln und auszuloten. Mit dem Pionierprojekt sollte dem wachsenden Bedarf nach Co-Innovationen und vernetzter Forschungs- und Entwicklungsarbeit seitens der Industrie begegnet werden. Mittlerweile besteht das Netzwerk aus rund 100 Partnern aus der Industrie und Wirtschaft und drei beteiligten Fraunhofer-Instituten, die gemeinsam in folgenden Geschäftsfeldern Forschung und Entwicklung betreiben: Healthcare, Wohnen, Energie,- und Gebäudetechnik und Nachhaltigkeit.

 

Ecosystem-Building in Handarbeit

Seit Oktober 2017 leitet Wolfgang Gröting das inHaus-Zentrum. Gröting arbeitete selbst viele Jahre für renommierte Tech-Unternehmen und lernte an verschiedenen beruflichen Stationen die Stärken und Schwächen klassischer Innovationen kennen. Für den ein erfahrenen Ingenieur und Innovationsmanager war besonders die hohe Wahrscheinlichkeit des Scheiterns klassischer Silo-Innovationen Anlass, neue Innovationswege mit Partnern und Startups einzuschlagen, mit denen die Effizienz und Geschwindigkeit des Transfers von der Forschung in die Unternehmerische Praxis voran getrieben werden sollte. Gröting und sein wachsendes Team aus Fraunhofer-Wissenschaftlern begannen deshalb, die Startup-Szene in Deutschland und Benelux nach geeigneten Partnern zu durchforsten. Inzwischen arbeiten neun Startups direkt und forschungsnah im inHaus-Zentrum, weitere werden 2020 folgen. Die Unternehmensgründer profitieren vom direkten Zugang zu technischem und wissenschaftlichem Know-how oder auch dem Netzwerk aus Industrie und anderen Forschungseinrichtungen. Für Fraunhofer bieten Startup-Kooperationen neben Lizensierungen von Technologie eine völlig neue Möglichkeit des agilen Testens und Lernens direkt am Markt.

Als lebendige Schnittstelle zu Fraunhofer-Forschern mit Lizenz-, Innovations- oder Gründungsprojekten arbeitet Burkhard Heidemann, Leiter der Embedded Systems am Fraunhofer IMS und Promotor für Fraunhofer-Venture. Heidemann koordiniert gemeinsame Veranstaltungen, verbindet Forscher und Gründer mit Venture-Experten und kurbelt den Wissensaustausch innerhalb des Fraunhofer-Netzwerks an.

 

inHaus-Kompetenz: Gemeinsame Kultur für Denker und Macher

Das Elixier für die Zusammenarbeit ist zum einen der Erfolg, der sich vor allem bei Hightech-Komponenten für Alltagsprodukte bereits nach wenigen Monaten abzeichnet und die Fantasie von Forschern und Gründern gleichermaßen befeuert. Das Fundament dieses Erfolgs ist eine wachsende Kultur des gegenseitigen Verstehens und gemeinsamer Vorstellungen über sinnvolle Kooperationsmöglichkeiten. Das inHaus-Zentrum bietet Startups und Forschern eine bunte Palette an Möglichkeiten des unkomplizierten Dialogs, teils moderiert auf Veranstaltungen wie den hauseigenen Startup-Days und aktiv gesteuerter Ideation für Problemfelder aus der Praxis, teils über die subtile Netzwerkarbeit des inHaus-Teams, die viel Raum für eigene Initiativen lässt. Methoden und Prozesse werden nicht vorgegeben, sondern den jeweiligen Ideen und Problemstellungen angepasst. So soll sichergestellt werden, dass eine vielversprechende Idee möglichst schnell ein Pilotprojekt wird und nach den ersten Stresstests gezielte parallele Prozesse in Fraunhofer-Forschung und Startup initiiert werden. Das Wechselspiel aus Technologie-Entwicklung und praxisnaher Erprobung im Dialog mit Kunden schafft unmittelbare Feedback-Kanäle, die wie eine inhärente Erfolgskontrolle für Forschung und Startup-Partner wirken. Idealer Weise ergänzen sich Unternehmergeist und Technologie-Expertise bei den Innovationszyklen nach dem Reißverschlussprinzip.