Mission Tech-Transfer: Wie Fraunhofer-Promotoren aus Forschung Geschäftsmodelle machen

25.11.2019

Technologietransfer ist kein fixes Programm und kein starrer Prozess, sondern vor allem eine Haltung: Wer erfolgreich mit Unternehmen arbeiten will, muss selbst denken und vor allem handeln können wie ein Entrepreneur. Es sind deshalb vor allem engagierte Persönlichkeiten an den Fraunhofer Instituten und in der Gesellschaft, die diesen Unternehmergeist wecken, unterstützen und mit viel persönlichem Einsatz vorantreiben. Das Promotoren-Netzwerk, das von Fraunhofer Venture ins Leben gerufen wurde, ist dabei eine Art Brückenkopf zwischen innovativen Forschern an den Instituten und Anwendern wie Startups oder Tech-Unternehmen. Mehr als 70 engagierte Promotoren und Promotorinnen arbeiten vernetzt über Instituts- und Abteilungsgrenzen hinweg mit Forschern und Abteilungen an neuen Geschäfts- oder Lizenzmodellen – und die Community der Promotoren wächst rasant mit ihrem Erfolg. Jan Hansmann, Fraunhofer-Promotor und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Fraunhofer Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit (LBF) in Darmstadt, gibt uns Einblicke in den gelebten Tech-Transfer eines Promotors.

©ATZlive/Milton Arias

Jan, du bist Wissenschaftler und gleichzeitig Promotor am Fraunhofer LBF. Was ist ein Promotor?

Wir sind eine Community von aktuell rund 70 engagierten Mitgliedern mit einem gemeinsamen Ziel: Wir glauben an das Potenzial an Wissen, Technologien und Persönlichkeiten bei Fraunhofer und daran, dass wir durch besseren Technologietransfer noch viel mehr unternehmerische und gesellschaftliche Relevanz schaffen können. Es ist diese gemeinsame Vision, die die meisten von uns motiviert, neben unserer Rolle als Wissenschaftler, Führungskraft, Innovationsmanager, Referent oder Marketing-Beauftragter Zeit in die Professionalisierung unserer Verwertung zu investieren. Daran arbeiten wir an unseren Instituten zusammen mit Fraunhofer Venture und vor allem mit Julia Bauer, die das Promotoren-Netzwerk bei Venture leitet, lebt und ständig weiterentwickelt.

Wie sieht eure Promotoren-Tätigkeit aus? Was können Kollegen oder Abteilungsleiter mit Ideen oder Technologien von dir erwarten?

Ich versuche bei uns vor allem die beiden Verwertungswege (Aus)Gründung und Lizenzierung voranzubringen und als Ansprechpartner für Fragen die die Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Venture betreffen zur Verfügung zu stehen.

Wo möglich, versuche ich gerne eine Idee oder ein Konzept in einem kurzen Gespräch mit einer ersten Einschätzung zu unterstützen und die besten Ansprechpartner für den nächsten Schritt zu finden. In diesem Erstgespräch muss die Übersetzung einer Technologie in mögliche unternehmerische Anwendungsfelder gelingen. Ein Stück weit sind wir Promotoren hier Dolmetscher und Brückenbauer zwischen den Welten.  Oft reichen hier schon längere Gespräche bei einem Kaffee oder kleinere Workshops um eine Idee in die richtige Richtung zu bringen. Wichtig ist für uns dabei, gute Ideen schnell aus der Konzept- und Ideenphase in die erste Prototypisierung und Nutzer-Tests zu bringen. Unternehmerische Ideen werden nicht im Labor entwickelt werden, sondern diese müssen ihr Potenzial Schritt für Schritt beweisen.

Sobald die ersten Fragen geklärt sind und die grobe Richtung stimmt, bietet die ZV mit dem AHEAD-Programm die richtige Unterstützung um „alles Weitere“ zu klären und in Gang zu bringen. Hier geht es marktnah und mit ordentlicher Geschwindigkeit in Richtung Lizenzierung oder Gründung, wobei es im letzteren Fall ja üblicherweise ebenfalls Lizenzvereinbarungen zwischen den Instituten und den Gründungen gibt.

Was qualifiziert dich für diese Aufgabe?

Ich arbeite seit guten 10 Jahren hier am Fraunhofer LBF im Bereich Adaptronik als wissenschaftlicher Mitarbeiter. Neben dem Alltagsgeschäft entwickle ich mit meinen Kollegen ein Lizenzierungsprojekt zur Marktreife. Mit HyTest haben wir im Sommer als eines der ersten Teams die Phase 2 des AHEAD-Programms erreicht und bereiten, neben der Lizenzierung in einen ersten Markt, jetzt die Erschließung weiterer Märkte mit unseren Technologien vor. Dieses so genannte „Intrapreneurship“, also die Unternehmermentaliät innerhalb der Organisation ist natürlich die beste Schule für die Unterstützung für Kollegen mit innovativen Ideen.

In der Promotoren-Community lernen wir viel gegenseitig voneinander. Es gibt kaum einen Verwertungsfall, oder eine organisatorische Herausforderung, die nicht ein Kollege oder eine Kollegin an einem anderen Institut so oder ähnlich nicht schon mal erlebt hat und dich mit seiner bzw. ihrer Erfahrung gerne unterstützt. Die Zusammenarbeit macht echt Spaß, weil man auf einen Haufen netter Menschen trifft die Fraunhofer voranbringen wollen. Die Promotoren-Community ist quasi selbst ein Startup, das seine Rolle und sein Angebot agil (weiter)entwickelt. Für mich vielleicht die wichtigste Änderung in meiner Arbeitsweise, noch mehr Offenheit dafür, dass sich Dinge ständig ändern: Ausprobieren, Fehler machen, sich damit neu justieren und weitermachen oder neu starten.

Was bringt deine Tätigkeit deinem Institut und deinem Forschungsbereich?

Wie alle Fraunhofer-Institute müssen wir uns laufend an sich verändernden Randbedingungen anpassen, das gilt auch für den Technologietransfer. Das AHEAD-Programm gibt uns die Möglichkeit den Technologietransfer mittels (Aus-)Gründung und Lizenzierung mit maßgeschneiderter Unterstützung durch das AHEAD-Team voranzutreiben. Aktuell haben wir vier Teams aus unterschiedlichen OEs im Programm.

Neben dem konkreten TechTransfer sehe ich den größten Benefit für das Institut in einer Veränderung der Denkweise und des Mindsets der ForscherInnen die an dem Programm teilnehmen.

Ich habe es durch unsere AHEAD-Teilnahme bei mir selbst und meinen Teammitgliedern erlebt. Das Denken wird unternehmerischer, die kurz getaktete Interaktion mit dem Markt wird wichtiger, es wird mehr in Thesen gedacht und schnellst möglich nach Evidenz für diese Thesen gesucht. Diese unternehmerische Arbeitsweise hilft einem auch bei vielen Aufgaben um die alltägliche Vertragsforschung.

Jan, vielen Dank für deine Zeit und viel Erfolg dir und deinen Teams, den wissenschaftlichen, den unternehmerischen und den Promotoren-Kollegen und Kolleginnen.

Gerne. Und da nicht nur der TechTransfer, sondern auch die Zusammenarbeit „eine Haltung“ ist würde ich an der Stelle gerne noch Danke sagen @ Julia, Thorsten, Anna-Lena, Natalia, Jonathan, Christoph, Dirk, Sven, Tobias, William, Heiko, Ilona, Frank, Javier, Christian. (Aus verschiedensten & für das Thema relevanten Gründen. Reihenfolge ohne Bedeutung)