Gründerszene der nächsten Generation

Warum Deeptech die nächste große Gründerwelle werden wird

10.7.2019

Deutschland gilt als Land der Ingenieure, nicht unbedingt als Land der Gründer. Das muss sich ändern, wenn der Standort auch in Zukunft zur Weltspitze gehören will. Das Land des technologiegetriebenen Mittelstands und der Industrie-Flaggschiffe braucht einen neuen Gründergeist, eine Gründerszene der nächsten Generation, die die Dynamik der amerikanisch geprägten Startup-Philosophie mit der technologischen Exzellenz und dem Knowhow der Ingenieure, Forscher und Entwickler verbindet.

Das Startup-Potenzial der Zukunft

Deutschland ist im internationalen Vergleich für die Zukunftstechnologien seiner Schlüsselbranchen hervorragend aufgestellt: In wenigen Standorten wird weltweit so intensiv im Bereich Lifescience, Maschinenbau, Automobilität, Energie und den anderen Leitbranchen der Wirtschaft geforscht. Alleine bei den 72-Fraunhofer-Forschungsinstituten haben wir rund 18.000 potenzielle CTOs, CPOs und Tech-Experten für die gesamte Palette der Zukunftstechnologien. Dennoch schaffen es vergleichbar wenige junge Unternehmen in die internationale Spitze. Selbst in den Industrien, wo herausragende Technologie und Forschung bereits vorhanden sind, hinkt Deutschland (noch) hinterher. Der Grund dafür ist eine Art Standort-Paradox: Die meisten Gründungen finden in Segmenten statt, die eher einfache digitale Basistechnologien nutzen, mit denen sich Marktpotenziale schnell und mit geringem Forschungs- und Investitionsaufwand realisieren lassen, beispielsweise im eCommerce oder lowtech-Plattformkonzepten.

Der Schwerpunkt der Forschung in Deutschland, die Intellectual Property und Innovationen in den Vorzeigebranchen wie Maschinen- und Anlagenbau, Mobilität etc. liegt aber in den Technologien dahinter, dem so genannten Deeptech, den Enabler-Technologien für beispielsweise IoT oder Industrie4.0. Der Fokus von Gründern und die Spitze der Forschung und Entwicklung haben sich in den letzten Jahren auseinanderentwickelt. Das große Wachstumspotenzial für die Startups der Zukunft – vor allem in Deutschland – liegt meiner Meinung nach deshalb genau in der Überwindung dieser Kluft, in der Gründung von echten High-Tech-basierten Startups, die diesen Namen auch verdienen und aus den vorhandenen technologischen Ressourcen erfolgreiche Geschäftsmodelle machen.

Deeptech: Das Betriebssystem der Digitalen Transformation

Die Vorzeichen für eine echte High-Tech basierte Gründerwelle sind günstig: Die bisher zurückhaltenden Mittelständler und Konzerne scheinen aus dem Dornröschenschlaf zu erwachen. Innovationslabore und Inkubatoren entstehen quer durch alle Branchen, Pionierprojekte mit Startups werden lanciert.

Für Tech-Investoren ist deeptech laut der BCG-Studie The Dawn of the Deeptech-Ecosystem einer der wachstumsstärksten Bereiche weltweit. Das Investitionsvolumen hat sich laut Studie alleine im letzten Jahr nahezu verdoppelt – und wir stehen erst am Anfang dieser Entwicklung.

Deeptech sind die Technologien für die nächste Welle der Digitalisierung, sozusagen das Betriebssystem der digitalen Transformation. Deeptech liefert beispielsweise die KI-Systeme für das Management von Smart Cities oder für robotergesteuerte Produktion, orchestriert das Zusammenspiel von Hardware und Software für das Internet der Dinge oder managt Datensicherheit bei personalisierten Medizinanwendungen. Deeptech kann aufgrund dieser Komplexität weder in Hightech-Laboren der Forschung, noch in Innovationsabteilungen der Konzerne, noch in den schicken Co-Working Spaces der Startup-Szene alleine entwickelt werden. Deeptech entsteht durch Kooperation der verschiedenen Akteure. Unser AHEAD-Programm ist speziell für diese kooperativen Startup-Modelle entwickelt worden und führt Entrepreneure, Forscher, Experten und Partner auf der Industrieseite für Deeptech-Geschäftsmodelle zusammen.

Die neue Tech-Gründerszene: Der Star ist das Team

Die nächste Generation von Gründern bringt alles mit, was Entrepreneure heute schon auszeichnet: Den Instinkt für erfolgreiche Modelle, Hunger nach Neuem, Pinonierdenken, Konsequenz – you name it – aber das reicht nicht. Deeptech heißt vor allem: Viele Kompetenzen müssen organisiert, diverse Denkweisen zu einem schlagkräftigen Geschäfts- und Management-Konzept geformt und Prozesse über die Grenzen von Organisationen hinausgedacht werden. Deeptech-Gründer sind Ökosystem-Denker und -Macher, die genauso mit einem Laborleiter wie mit einem Frontend-Entwickler oder einem Innovationsmanager aus dem Mittelstand sprechen können, sie sind die Marathonläufer mit Teamstrategie. Die Erfahrung zeigt, dass Gründer umso faszinierter von echtem High-tech Gründungen und der Zusammenarbeit mit Forschern sind, je mehr Erfahrung sie durch eigene Gründungen mitbringen. Für sie ist die Zusammenarbeit mit Fraunhofer-Forschern im Rahmen unseres AHEAD-Programms eine Art nächster Level der persönlichen Unternehmerkarriere, mit zusätzlicher Skillentwicklung für Technologie-Management.

Unser Ziel ist es dabei, mit externen Entrepreneuren, Forschern und Partnern in der Industrie diese Teams zu entwickeln. Unser Portfolio hat zusätzlich zu einem tech- und marktgetriebenen Ansatz, ein paralleles Team- und Management-Coaching um aus erfahrenen Gründern, Deeptech Gründer zu machen.

 

Für alle Entrepreneure die sich für den „Deep dive into Deeptech“ interessieren – hier könnt ihr uns und unsere Teams kennen lernen:

  • Mehr zum AHEAD Company Building Programm findest du hier.
  • Infos zu deinen Möglichkeiten bei Fraunhofer Venture findest du hier.