Step by Step: Mecuris’ Sprint in den Start-up-Olymp

04. Mai 2020

Es läuft bei der Mecuris GmbH - im übertragenen wie im wortwörtlichen Sinne. Die Entwicklung des Münchner Orthopädietechnikunternehmens liest sich nahezu wie ein Anwendungsbeispiel aus einem Lehrbuch für Unternehmensgründung. Bereits Anfang 2020 reiht sich Mecuris ein in die Top 50 Start-ups Deutschlands (Für-Gründer.de & Frankfurt Business Media, 2020). Dabei ist das Unternehmen gerade einmal vier Jahre alt. Was macht Mecuris so besonders und wie hat es das Team um die sechs Gründer geschafft, sich in dem Nischenmarkt für Orthopädietechnik durchzusetzen?

© Mecuris GmbH
Der Weg zur 3D gedruckten Orthese

Die Erfolgsgeschichte des Startups nimmt mit den Forschungsvorhaben von Jannis Breuninger (Fraunhofer IPA) und Dr. Simon Weidert (Unfallchirurg am Uniklinikum München) ihren Lauf. Trotz unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen verbindet beide Forscher ein gemeinsames Ziel: Die Produktion orthopädischer Hilfsmittel soll in Zukunft digitalisiert und individualisiert ablaufen können. Die Idee: individuelle Orthesen (Schienen) und Prothesen (künstliche Gliedmaßen) direkt aus dem 3D-Drucker als hochwertige, belastbare und bereichernde Lösung für Menschen mit Handicap. Mit der Zeit formiert sich ein interdisziplinäres sechsköpfiges Gründerteam innerhalb des Münchener Hochschul- und Klinikumfeldes. Auch die Matchmaking-Messe The Munich Summit (MUST) bietet den Pionieren der Branche eine willkommene Plattform zur Vernetzung. Im Jahr 2016 geht Mecuris dann an den Start - als Spin-off des Ludwig-Maximilians-Universitätsklinikums München.

Zu Beginn noch als Underdog gehandelt, startet Mecuris schnell durch. Mit der einzigartigen Idee, die gesamte Prozesskette bei der Herstellung von Prothetik- und Orthetiklösungen zu digitalisieren, positionieren sich die Münchener als Pioniere im Markt. Dennoch gibt es einige Hürden zu überwinden. Die Branche der Orthopädietechnik ist laut Manuel Opitz, Mitgründer und COO von Mecuris, tief im traditionellen Handwerk verwurzelt, was die Umstellung von analog auf digital auf den ersten Blick erschwert. Doch Opitz bleibt zuversichtlich, denn: die rasante Entwicklung des technischen Fortschritts ermögliche vor allem auch mit Hinblick auf digitale Lösungen neue Möglichkeiten, die man bei der Gründung noch nicht hat absehen können. Dieser Optimismus zeichnet Mecuris immer wieder aus, denn die Münchener halten zwar einerseits an ihrer Idee fest, zeigen sich andererseits aber durchaus anpassungsfähig, wenn neue Herausforderungen gemeistert werden müssen.

© Convit GmbH
Digitale Prozesskette zur Erstellung einer Lagerungsschiene

Vier Jahre später sind Orthesen und Prothesen an sich nicht mehr das Kernprodukt des Unternehmens, sondern die sogenannte Mecuris Solution Platform (MSP). Sie ist die „digitale Werkstatt“, die es Orthopädietechnikern ermöglicht, gemeinsam mit ihren Patienten innerhalb nur weniger Minuten maßgeschneiderte Orthesen und Prothesen zu erstellen. Die zugrundeliegenden Workflows orientieren sich an den traditionellen Herstellungsschritten der Techniker und ermöglichen so einen alternativen Weg zur Erstellung individueller Hilfsmittel. Durch diese Ausrichtung kann Mecuris im Sinne von “Co-Creation” mit den Experten auf dem Gebiet der Orthopädietechnik zusammenarbeiten, anstatt diese aus dem Wettbewerb zu verdrängen. Die Plattform soll intuitiv und ohne Vorkenntnisse im Umgang mit Programmierung und 3D-Druck zu bedienen sein und individuelle Wünsche des Kunden, zum Beispiel hinsichtlich Design und Farbgebung, erfüllen können. Der Schlüssel zum Erfolg lautet: gemeinsam statt im Alleingang.

Ein solches Produkt auf die Beine zu stellen, schafft keiner allein. Anderen Gründern empfiehlt Opitz daher vor allem, auf eine heterogene Zusammensetzung des Teams zu achten. Das Credo: durch Mitarbeiter aus diversen Altersgruppen, fachlichen Hintergründen sowie mit unterschiedlichen Erfahrungsschätzen soll so viel Expertise wie möglich in das Unternehmen fließen. Mecuris selbst besteht mittlerweile aus mehr als 30 Mitarbeitern, die das Unternehmen um unterschiedlichste Perspektiven bereichern. Darunter finden sich nicht nur Ärzte, Orthopädietechniker, Ingenieure und IT-Spezialisten, sondern auch Wirtschaftswissenschaftler und Designer. Vereint durch das gemeinsame Ziel, die Lebensqualität der Träger von Orthesen und Prothesen zu verbessern.

Und das zahlt sich aus: im Laufe der letzten Jahre erhielt das Münchener Start-up eine Vielzahl an Auszeichnungen, darunter 3D Pioneers Challenge Winner 2016 & 2017, WeConomy Gründerinitiative Gewinner 2017, Science4Life Venture Cup 2017, ANSYS Hall of Fame Competition Best Start-up 2019, EIT Digital Challenge Winner 2019 oder zuletzt die Aufnahme in die Top 50 Start-ups 2019 (Für-Gründer.de). Dadurch gerät das junge MedTech-Unternehmen zunehmend in das Blickfeld namhafter Investoren. Eine anfängliche Fraunhofer-Förderung sollte nicht die letzte bleiben, mittlerweile beteiligt sich eine Vielzahl an Investoren und Förderer, wodurch Mecuris nicht nur die Marktdurchdringung vorantreibt, sondern auch seine Zusammenarbeit mit verschiedensten Forschungs-, Entwicklungs- und Produktionspartnern weiterausbauen kann. Erst jüngst wurde ein weiterer Meilenstein erreicht, als ein Konsortium um den High-Tech Gründerfonds, Bayern Kapital sowie anderen Investoren durch eine erneute Wachstumsfinanzierung in Millionenhöhe Mecuris Sprint in den Start-up-Olymp weiter beschleunigt.

 

"Glaube fest an deine Ideen, nur so kannst du diese überzeugend nach außen tragen."

Mecuris GmbH