Interview
Wie Fraunhofer-Spin-offs über Companisto Business Angels und Investoren gewinnen
Mehrere Fraunhofer-Spin-offs haben in den vergangenen Jahren auf digitalen Investmentplattformen und -netzwerken außergewöhnlich erfolgreiche Finanzierungsrunden abgeschlossen und ihre Ziele teilweise sogar übertroffen. Ausgründungen wie PerioTrap Pharmaceutlicals (5,6 Mio. €), Cellbox Solutions (3,5 Mio. €) oder EcoPals (2,1 Mio. €) zeigen, dass technologiegetriebene Ausgründungen bei privaten Investoren auf immer stärkeres Interesse stoßen. Was macht Deep-Tech Start-ups aus der Forschung für private Investoren so attraktiv? Und worin unterscheidet sich eine Finanzierung beispielsweise über Companisto von klassischem Venture Capital? Darüber sprachen wir mit Christoph Schweizer, der seit mehr als zwei Jahrzehnten Start-up-Investitionen für VC-Gesellschaften, Family Offices und Beteiligungsgesellschaften begleitet hat und heute Partner und Chief Investment Officer von Companisto ist.
Herr Schweizer, worin unterscheidet sich eine Finanzierung über Companisto von klassischem Venture Capital?
Vor allem in der Struktur und Herangehensweise. Klassische VC-Fonds investieren über relativ kleine Teams und folgen meist längeren Entscheidungsprozessen. Bei Companisto funktioniert Finanzierung anders: Wir sind ein digital organisiertes Investoren-Netzwerk und können nach einer Einigung relativ schnell gezielte Investment-Kampagnen starten. Während Verhandlungen mit klassischen VC-Fonds oft über Monate laufen und erhebliche Anwaltskosten verursachen können, lassen sich unsere Verträge deutlich schneller abschließen. Außerdem können Start-ups direkt auf rund 6.500 Business Angels und circa 185.000 private Investoren zugreifen und gezielt nach Prioritäten potenzieller Investoren filtern. Wer etwa im Bereich Energie oder Wasserkraft tätig ist, findet bei uns genau hierfür passende Investoren.
Mehrere Fraunhofer-Spin-offs – etwa PerioTrap, Cellbox oder EcoPals – haben auf Companisto erfolgreich finanziert. Worauf führen Sie das zurück?
Unsere Investoren sind generell sehr technologieaffin. Besonders stark sind wir in Bereichen wie Medizintechnik, Biotech, Foodtech sowie Energie- und Umwelttechnologien. Das entscheidende Kriterium ist aber ein anderes: Investoren müssen sehr schnell verstehen, welches reale Problem ein Start-up löst. Unsere Investoren finanzieren zunächst den Use Case, dann den Business Case und erst danach den Investment Case. PerioTrap ist ein gutes Beispiel. Das Thema Mikrobiom-Zahnpflege ist für viele Menschen unmittelbar verständlich und der Ansatz fundiert und überzeugend.
Natürlich spielt auch das Team eine Rolle. Bei Cellbox Solutions etwa kam mit Professor Adlkofer eine Gründerpersönlichkeit hinzu, die unsere Investoren fachlich wie menschlich überzeugt hat.
Die Fraunhofer-Spin-offs wurden bei Companisto mit dem Risikorating B bewertet – nahezu der Bestwert. Wie kommt Companisto zu dieser Einschätzung?
Das Rating ist das Ergebnis einer strukturierten Due-Diligence-Prüfung. Eine A-Bewertung vergeben wir nur sehr selten. Die Fraunhofer-Spin-offs lagen alle an der Grenze zwischen A und B. Das lag vor allem daran, dass sie sowohl beim Produkt, als auch beim Marktpotenzial außergewöhnlich stark waren und eine technologische Substanz mitbringen, die man nicht häufig sieht.
Welche Rolle spielt die Marke Fraunhofer bei Investoren auf Companisto?
Der Name Fraunhofer ist ein klares Qualitätssignal. Wenn ein Spin-off aus diesem Umfeld kommt, wissen unsere Investoren: Hier steckt wissenschaftliche Exzellenz und technologische Tiefe dahinter. Das schafft natürlich Vertrauen. Gleichzeitig achten wir sehr darauf, dass die Patent- und Lizenzstruktur für das Start-up auch unternehmerisch sinnvoll gestaltet ist. Nur wenn ein Unternehmen ausreichend Freiraum hat, kann es seine Technologie erfolgreich in den Markt bringen.
Manche Gründer fragen sich, ob eine Finanzierung über Companisto klassische VC-Investoren abschrecken könnte.
Diese Sorge höre ich häufig von Start-ups, die noch nicht mit uns gearbeitet haben, aber sie ist unbegründet. Viele VC-Fonds haben bereits gemeinsam mit uns investiert und würden es meiner Einschätzung nach sofort wieder tun. Für technologiegetriebene Start-ups ist Companisto eine sinnvolle alternative oder zusätzliche Finanzierungsquelle, keine Konkurrenz zu VCs. Gerade in kritischen Situationen zeigt sich oft, wie effizient und schnell unsere digitale Struktur funktioniert.
Sie kennen Finanzierungen aus vielen Perspektiven. Welchen besonderen Vorteil bietet Companisto für Tech-Start-ups?
Der größte Vorteil ist wahrscheinlich die unternehmerische Freiheit. Wir sehen uns als Unterstützungssystem und vermeiden operative Einflussnahme. Unsere digitalen Prozesse sollen den Teams den Rücken freihalten und ihnen Komplexität abnehmen, damit sie sich auf Technologie, Produkt und Markt konzentrieren können.
Ein weiterer wichtiger Punkt ist unser juristisches Setup. Companisto verfügt über ein eigenes Legal-Team aus spezialisierten Gesellschaftsrechtlern. Das ist entscheidend, weil sauber strukturierte Verträge eine Voraussetzung für Finanzierungsrunden sind.
Herr Schweizer, vielen Dank für Ihre Zeit und dieses Gespräch!
Fraunhofer Venture