High Momentum für High-Tech: Technologietransfer wird Zukunftsmotor

2025 war für Deutschland ein Jahr des Umbruchs – politisch, technologisch und strategisch. Ein Regierungswechsel, eine ambitionierte Hightech-Agenda und ein Koalitionsvertrag, der so viel Gewicht auf Forschung, Schlüsseltechnologien und Innovation legt wie selten zuvor, und eine ambitionierte Hightech-Agenda haben die vergangenen 12 Monate zu einem Jahr der Weichenstellung gemacht. Die Politik fordert ein anderes Tempo, eine andere Konsequenz, einen anderen Transferbegriff. Die deutsche Forschungslandschaft ist vor allem beim Technologietransfer gefordert – und kann dadurch Chancen in einer neuen Dimension realisieren.

Die neue Hightech-Agenda der Bundesregierung räumt sechs Schlüsseltechnologien eine höhere Priorität ein: Künstliche Intelligenz, Quantentechnologien, Mikroelektronik, Biotechnologie, Fusion sowie klimaneutrale Energie und Mobilität. Für jede dieser Zukunftstechnologien sollen spezifische Flaggschiff-Initiativen entwickelt werden – etwa der Bau zweier Quantencomputer auf europäischem Spitzenniveau bis 2030 oder die Ansiedlung einer europäischen AI-Gigafactory.

In Deutschland ist kaum eine Forschungs-Institution für diese Agenda besser aufgestellt als die Fraunhofer-Gesellschaft. Unsere Institute verfügen über die Technologien, das Know-how und die Anwendungserfahrung, um genau in diesen Bereichen zum Transformationsmotor zu werden.

Veränderung beginnt bei uns selbst – und sie wirkt

Mit dem Amtsantritt von Prof. Dr. Constantin Häfner als Vorstand für Forschung und Transfer wurde der politisch motivierte Veränderungsimpuls unmittelbar in der Fraunhofer-Organisation verankert. Forschung und Transfer werden künftig nicht mehr als getrennte Sphären betrachtet, sondern als ein zusammenhängendes System, das gemeinsam gedacht und umgesetzt wird. Der oft beschworene »Silicon-Valley-Spirit« erhält damit eine institutionelle Grundlage in der europäischen Spitzenforschung: schneller, unternehmerischer und klarer marktorientiert. Entsprechend wurde der Technologietransfer über Spin-offs in der Fraunhofer-Strategie aufgewertet und ist nun einer der zentralen Transferwege – ein klares Signal, wie wichtig Unternehmensgründungen aus der Forschung für den Standort geworden sind.

Trotz eines herausfordernden Marktumfeldes hat die Zahl der Fraunhofer-Ausgründungen mit 29 neuen Spin-offs nach 21 Gründungen im Vorjahr 2025 stark zugenommen. Ein weiterer wesentlicher Indikator für die Dynamik im Vorfeld von Spin-off-Gründungen ist so hoch wie nie zuvor: Unsere Experten haben im vergangenen Jahr 86 neue Ausgründungsprojekte in die Betreuung aufgenommen – ein neuer Rekord seit Bestehen von Fraunhofer Venture. Nicht jedes wird tatsächlich als Start-up ausgegründet – aber jedes Projekt verankert unternehmerisches Bewusstsein in der Forschung und schafft den Nährboden für zukünftige Geschäftsmodelle.

Und auch viele junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler treiben diese Entwicklung: Für viele ist Unternehmertum heute ein natürlicher Karriereweg – der nicht mehr als Abkehr von der Forschung verstanden wird, sondern als Erweiterung ihrer Wirkung.

Zukunftsweisend: Meilensteine bei Fraunhofer-Ausgründungen

Auch im Jahr 2025 haben wir in enger Abstimmung mit den Instituten neue Formate für den Transferpfad Ausgründung entwickelt. In zahlreichen Gesprächen wurden Bedarfe abgefragt, Entwicklungshemmnisse analysiert und Transferoptionen gezielt erweitert. Mit unserem breit aufgestellten Team können wir Institute und Teams heute wesentlich individueller unterstützen als noch vor wenigen Jahren.

Ein wesentlicher Treiber dieser Entwicklung ist das COLAB, unser Accelerator für Fraunhofer-Start-up-Kooperationen. Was als experimentelles, neues Format begann, stellt heute einen großen Teil der Projekte im AHEAD-Ausgründungsprogramm. COLAB hat sich zu einem zentralen Instrument entwickelt, um Fraunhofer-Technologien im Deeptech-Ökosystem zu verankern und externe Start-ups mit Instituten in produktive Projekte zu bringen. In fünf Jahren ist daraus ein zusätzlicher Transferansatz geworden – ein klares Signal für die Offenheit der Institute für innovative neue Wege im Technologietransfer.

Auch der Fraunhofer Investment Hub hat innerhalb eines Jahres eine beeindruckende Eigendynamik entwickelt. Über 500 registrierte Nutzerinnen und Nutzer – darunter mehr als 100 spezialisierte Deeptech-Investoren – machen den Hub zu einer der umfangreichsten Plattformen für forschungsnahe Start-ups in Deutschland. Für Gründerteams und Fraunhofer-Institute bedeutet der Hub also eine weitere Form der Öffnung für das Ökosystem: Die Finanzierungsarchitektur der Forschung wird sichtbarer, digitaler, zugänglicher. Venture Capital entdeckt in den letzten Jahren zunehmend das Potenzial von Spin-offs aus der Forschung – und die Bereitschaft, in Zukunftstechnologien zu investieren, steigt merklich.

Neben klassischen Finanzierungsmodellen haben sich 2025 auch Crowd-Investing-und Business Angel-Plattformen wie Companisto oder Gateway Ventures bewährt. Investment-Kampagnen von Fraunhofer Spin-offs wie Verus Digital, Periotrap oder Cellbox zeigen, dass diese Möglichkeiten gerade im Deeptech-Bereich eine überraschend geeignete Ergänzung darstellen, insbesondere wenn institutionelle Investoren parallel einsteigen. Sie erschließen neue Zielgruppen, schaffen Sichtbarkeit und erzeugen eine Validierung, die für die Markteinführung vieler Technologien entscheidend ist.

Venture Building: Marktdynamik in die Forschung integrieren

Ein besonderes Zukunftsfeld liegt im Venture Building. Mit dem Projekt »Markt- und missionsorientiertes Ausgründen« (MMA) wurde ein proaktiver Venture-Building-Ansatz erprobt. Gemeinsam mit den Instituten IKTS und LBF wurden Geschäftsmodelle für biobasierte Baustoffe und nachhaltige Plastikadditive entwickelt – nicht reaktiv, sondern strategisch initiiert: Der Ansatz verbindet technologische Exzellenz, frühe Marktvalidierung und die Einbindung aller relevanten Stakeholder. Die Erkenntnis: Wenn Fraunhofer Transferpotenziale frühzeitig identifiziert und parallel zur laufenden Forschung eigene »Venture-Architekten« einbindet, können vielversprechende Technologien schneller in Richtung MVP, Geschäftsmodell und Investorenansprache geführt werden.

2025 hat gezeigt: Der Wille zur Veränderung ist da. Jetzt beginnt die Phase, in der wir beweisen müssen, dass wir liefern können – für den Standort Deutschland und für die Zukunftsfähigkeit europäischer Hightech-Innovation. 2026 und die Folgejahre werden zeigen, wie konsequent wir diesen neuen Transferpfad weiterentwickeln können. Mit einer diversifizierten Transferarchitektur, einer starken Finanzierungsbasis, einer Fortführung der begonnenen Venture Building-Aktivitäten und einer Forschungslandschaft, die Transfer aktiv vorantreibt und gestaltet, sind wir dafür gut aufgestellt.