High Tech Pioneers: Erst das Team. Dann die Technologie.

19.3.2018

»High-Tech Pioneers«. Das Motto des brandneuen Fraunhofer Company Building Programms lautet: »Erst das Team. Dann die Technologien«. Das Konzept verbindet das Beste aus zwei Welten: auf ihrem Gebiet führende Wissenschaft-lerInnen und erfahrene UnternehmensgründerInnen. Seit Anfang des Jahres ist Dr. Thorsten Lambertus als Programmleiter am Werk. Im Gespräch mit Laura beantwortet Thorsten ein paar Fragen rund um das Programm.

Welchen Mehrwert bietet das Programm unternehmerischen ForscherInnen und den Fraunhofer-Instituten? Warum sollten sie hieran teilnehmen?

Thorsten: »High-Tech Pioneers« bietet für Institute und Ihre ForscherInnen wesentliche Vorteile.

Vor allem eine deutliche Beschleunigung bei der Umsetzung von Geschäftsmodellen und dem Verständnis von neuen Märkten. Für Seriengründer und unternehmerisch erfahrenen Persönlichkeiten ist das Routine und Leidenschaft zugleich. Diese gewinnen wir für starke Technologien aus den Instituten, bauen mit ihnen Teams, die das Potential in der Technologie auch tatsächlich erschließen. Das sorgt im besten Fall für langfristig stabile Lizenzeinnahmen, weitere Auftragsforschung sowie gegebenenfalls Exit-/Dividenden-Erlöse. Und dies, ohne dass notwendigerweise auch die eigenen Leute das Institut verlassen müssten – denn wir können nicht nur ausgründungswillige Forscher-Teams passend ergänzen, sondern auch ganze Gründerteams entwickeln.
 

Darüber hinaus registrieren wir auch einen deutlichen Motivationsschub bei den Forscher-Gruppen, wenn sie erfahrene Gründer für sich gewinnen können und so eine noch bessere Chance sehen, „ihr Baby auf den Markt zu bekommen“.

Welche Bedeutung hat die Teamkomposition gerade in der Technologieverwertung?

Thorsten: Eine Gründung funktioniert immer so gut, wie die Menschen, die sie umsetzen. Deswegen „teams first“. Das richtige Team ist also der Schlüssel zum Erfolg. Die Verbindung von den Besten aus beiden Welten – die beste Wissenschaft mit bester Gründungsexpertise – erzeugt solch ein Team. Rein technologische Exzellenz ist da nicht ausreichend. Nur durch die Zusammensetzung der komplementären Kompetenzen, kann das Maximum aus einer Technologie herausgeholt werden. So können die Märkte von morgen gestaltet und ein Unternehmen mit wirklichem Mehrwert für die gesamte Gesellschaft aufgebaut werden.

Was macht eine „gute Mischung“ aus?

Thorsten: Wie bereits gesagt, ein gutes Ausgründerteam ist heterogen in seinen Kompetenzen und deckt alle wesentlichen Rollen eines Gründerteams ab. Sowohl technische Exzellenz, als auch Gründungexpertise sind wichtig. Darüber hinaus, muss aber vor allem die „Chemie“ zwischen den Teammitgliedern stimmen. Es braucht eine kompatible Wertebasis, gleiche Motivation und Ambition sowie viel Hingabe und Engagement. Neben einem erfolgreichen Match, hinsichtlich Persönlichkeiten und Fertigkeiten, sollten beide Seiten klar ihre Erwartungen äußern, sodass sich nach anfänglicher Euphorie nicht schnell Enttäuschung einstellt.

Was gibt es aus deiner Sicht zu beachten, wenn Teams gebildet werden? Hast du ein Erfolgsrezept?

Thorsten: Ich bin Vertreter des »Prototyping Konzepts«. Wir bauen Team-Prototypen, testen sie und entwickeln sie über Wochen und Monate weiter. Das verläuft ähnlich wie bei einer Technologie- oder Geschäftsmodellentwicklung. Man sollte sich ausprobieren können, jeder muss für sich selber wissen, was man will oder nicht will und dies klar den potentiellen Mitstreitern gegenüber formulieren. Demnach sollte man sich nur in eine Teamkonstellation hineingeben, in der man sich mit der Rolle wohl fühlt – also eigentlich wie beim Heiraten.

Kannst du uns den Ablauf eines Team-Prototypings erklären?

Thorsten: Aktuell starten wir die Team-Entwicklung mit zwei sehr intensiven Arbeitstagen. In einem Raum bündeln wir hohe unternehmerische sowie technologische Kompetenz. Der Fokus liegt von Stunde null darauf, dass die Menschen sich intensiv kennenlernen können: „teams first“. Dafür kreieren wir nicht nur eine sehr familiäre Atmosphäre, sondern stellen auch unterschiedliche Team-Prototypen zusammen, die miteinander arbeiten (hierzu nutzen wir Erkenntnisse aus der Teamforschung). Am Ende des ersten Tages hat man somit viele unterschiedliche Persönlichkeiten kennengelernt. Darüber hinaus, hat man sich hoffentlich auch inhaltlich intensiv ausgetauscht. Auf der Basis kreiert jede Person eine „Wunschliste“, mit welchen Personen man sich am zweiten Tag noch tiefer auseinandersetzen möchte. Am Folgetag treffen sich wirklich nur die gegenseitigen Matches wieder. Hier arbeiten wir mit dem Fokus auf Business Case, Produktvision und persönliches Commitment zur Gründung. Ziel zum Ende des Workshops: »Handshake Agreement« die kommenden Wochen sehr intensiv miteinander zu nutzen, um möglichst schnell die Entscheidung zu treffen: Wir gründen, oder auch nicht!

Wie lange durchläuft ein zusammengesetztes Team durchschnittlich das Programm?

Thorsten: »High-Tech Pioneers« ist kein Programm. »High Tech Pioneers«  ist eine stete Unterstützung im Gründungs-/Innovationsprozess, um unternehmerische Teams zu bauen und zu entwickeln. Dementsprechend unterstützen wir die Teams solange es eben nötig ist um im Einklang mit allen Programmen, die Gründungen fördern.

 

Vielen Dank für das Interview, Thorsten und weiterhin viel Erfolg mit »High-Tech Pioneers«!!